Südafrika verzeichnet mit großem Abstand die meisten Covid-19-Fälle auf dem Kontinent. Über 37 000 Menschen sind bisher an der Pandemie gestorben und täglich kommen mehrere Hundert hinzu. Dabei hatte die Regierung zunächst schnell und konsequent gehandelt und das Land zu Beginn der Pandemie in einen der striktesten Lockdowns weltweit geschickt. Eine im Juli 2020 veröffentlichte Studie aber zeigt das Ausmaß der sozialen und wirtschaftlichen Folgen: Fast die Hälfte aller befragten Haushalte hatten im Monat April 2020 nicht genug Geld für Nahrungsmittel. Drei Millionen Menschen waren plötzlich ohne Arbeit, in der Mehrzahl schwarze Frauen. Viele dieser Arbeits-plätze sind wohl für immer verloren. Geschätzte 60 Prozent kleiner und mittelständischer Unternehmen könnten die Krise nicht überstehen. Die südafrikanische Wirtschaft schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um acht bis zehn Prozent. Die Voraussagen für 2021 sind vorsichtig optimistisch – doch bei den geringeren Einnahmen und gefangen in einer Schuldenspirale bleibt dem Staat wenig finanzieller Spielraum, um mittelfristig der hohen Arbeitslosigkeit, wachsender Armut und Ungleichheit zu begegnen. Während der erste harte Lockdown half, eine Überlastung des Gesundheitssektors weitgehend zu vermeiden, kämpfen seit Ende vergangenen Jahres immer weniger medizinische Fachkräfte gegen die tödlichere zweite Welle. Eine schnelle Entlastung durch ein Impfprogramm ist nicht in Sicht: Die für das erste Halbjahr bestätigten Lieferungen von Impfstoff reichen nur für etwa zehn Prozent der Bevölkerung.
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