La vieja memoria - Erinnerungspolitik in Spanien
Der Dokumentarfilm „La vieja memoria“ des katalanischen Regisseurs Jaime Camino entstand im Jahr 1977, in der gesellschaftlich ereignisreichen Zeit kurz nach dem Tod Francos. 20 Zeitzeugen, darunter viele ehemals führende politische Persönlichkeiten, schildern hier ihre Erinnerungen an den Spanischen Bürgerkrieg, wobei der Film als einer der ersten auch den Verlierern des Bürgerkriegs eine Stimme gab. Durch die Montage der Interviews entsteht der Eindruck, dass sich die Zeitzeugen unterhalten, womit Camino etwas schuf, das damals undenkbar war: einen Dialog zwischen den Beteiligten aller Parteien, bei dem jedem das Recht auf die eigene Erinnerung zugestanden wird.
In meiner Arbeit liegt der Fokus auf Camino als wichtigem erinnerungspolitischen Akteur und auf dessen Werk „La vieja memoria“. So werden die im Film präsentierten (Gegen-) Erinnerungen untersucht und mit den Mustern der institutionellen Erinnerungspolitik in Spanien verglichen. Die Leitfrage ist, an welchen Stellen sich alternative Deutungsmuster der Vergangenheit zeigen, welche Bedeutung der Umgang mit divergierenden Erinnerungen in einer Gesellschaft hat und wie dieser zu meistern ist. Es gilt zu klären, welche Rolle dabei der Film als Erinnerungsmedium einnehmen kann. Somit setzt sich die Arbeit mit geschichtlichen, politischen und filmtheoretischen Aspekten auseinander. Der erste Abschnitt widmet sich dem Konzept der Erinnerungspolitik im Allgemeinen und stützt sich dabei auf Theorien zu Gedächtnis und Erinnerung im politischen Kontext. Der zweite Abschnitt beinhaltet eine Darstellung der Ereignisse in Spanien sowie deren erinnerungspolitische Instrumentalisierung. Der dritte Teil befasst sich mit den Zusammenhängen von Film und Gedächtnis und der Analyse von „La vieja memoria“. Dabei werden zum einen theoretische Konzepte des Dokumentarfilms diskutiert und der Film in einen historischen Zusammenhang gebettet. Zum anderen wird das Filmrohmaterial, die nicht veröffentlichten Interviewteile, in die Analyse mit einbezogen, um einen genaueren Einblick in die filmischen Entscheidungen Caminos zu gewinnen. „La vieja memoria“ wird so erstmals in seiner Gesamtheit betrachtet und die erinnerungspolitische Bedeutung, die das Werk besitzt, herausgearbeitet.