Charlotte Warsen, Kunstakademie Düsseldorf

Politik der Malerei

„Dies ist der Grund, warum die Kunst sozial beunruhigend ist und politisch so bedeutsam: Sie ist die eigentliche Quelle der Politik, der Inspiration.“ (Asger Jorn)

Malerei macht Politik: Dieser These ist mein Promotionsprojekt gewidmet. Wie steht es um die Rolle der Malerei innerhalb emanzipatorischer Entwicklungen seit Beginn der Moderne und vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um das Verhältnis von Politik, Ästhetik und der Macht der Bilder? Wie verändert Malerei unser Denken und Empfinden sozialer Gleichheit und Freiheit auf eine Weise, wie es Worte nicht vermögen? Um diese Fragen zu klären nimmt die Dissertation in der politischen Ästhetik und Bildtheorie des französischen Philosophen Jacques Rancière ihren Anfang und setzt sich zum Ziel, aus einer Rekonstruktion seines Denkens die politische Wirkmacht von Malerei als emanzipatorische Neuaufteilung des Sinnlichen begrifflich fassbar zu machen. Für Rancière ist Politik nicht die Organisation des Staates, sie ist „zuerst eine Intervention in das Sichtbare und Sagbare.“ Entgegen der Beliebtheit und Forderung eines künstlerischen Aktionismus, Dokumentarimus und eindeutig politischer Inhalte im zeitgenössischen Kunstbetrieb, sieht Rancière das politische Potential bildender Kunst in ihren immanenten Bildoperationen, fiktiven Verschiebungen und der Überwindung festgefügter Wahrnehmungsordnungen. Seine Untersuchungen zur Politik künstlerischer Bilder bleiben allerdings durch ihre Vernachlässigung malerischer Bildfindungen zugunsten von Literatur und Film unbefriedigend. Um gegen Rancière mit Rancière für die Politik der Malerei zu argumentieren, rekurriert das Projekt nicht allein auf Malerei und zeitgenössische Philosophien der Malerei (wie sie u.a. von Gilles Deleuze, George Didi-Huberman oder J.M. Bernstein formuliert wurden), sondern bezieht auch kunsthistorische Erkenntnisse und maltechnische Überlegungen mit ein. Indem es nach Wirkung und Verknüpfung verschiedener Bildfunktionen innerhalb der Materialität, Herstellungsweise, Sichtbarkeit und Sinnerzeugung eines gemalten Bildes fragt, ist es zudem zentralen Problemen der Bildtheorie gewidmet.