Andrea Seidel, Technische Universität Dresden

Strukturbildung in Agrarlandschaften - Ausdruck des Nutzungseinflusses und Initial von räumlicher Identität

In Agrarlandschaften offenbart sich, wie Landschaft in höchster Dynamik entsteht. Aus dem Zusammenspiel natürlicher und kultureller Prozesse manifestiert sich landwirtschaftliches Schaffen in einer spezifischen räumlichen Gestalt. Diese Strukturen bilden Wiedererkennungspunkte, um seine persönliche Landschaft zu identifizieren und bieten Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten. Agrarräume werden damit zu einem Spiegel der wirtschaftlichen und sozialen Struktur einer Gesellschaft – ändern sich die sozioökonomischen Verflechtungen, transformiert sich der entsprechende Raum.

Seit den 1970er Jahren verändern sich insbesondere die Feldfluren immer schneller, worin wohl die Ursache unserer ambivalenten Vorstellung von Landwirtschaft zu sehen ist: der kleingliedrigen bäuerlichen Idylle gestern und der (vereinheitlicht?) genutzten Flächen heute. Bisherige Planungsansätze für Agrarlandschaften erweisen sich oft als zu statisch und laufen den Entwicklungen nach. Gleichwohl besteht auch für die vorwiegend von (privat)wirtschaftlichen Besitz- und Pachtverhältnissen geprägten Agrarraum ebenso eine Verantwortung zur nachhaltigen, sozial- und umweltgerechten Raumentwicklung (§ 1 BNatSchG, Art.5 ELC). Die Lösung liegt in einer Landwirtschaft, die neben der Produktion von Nahrungsmitteln und Energie auch räumliche Typik und Gestaltreichtum hervorbringt. Vor diesem Hintergrund lege ich meiner Forschungsarbeit folgende Frage zugrunde: Unter welchen Voraussetzungen und durch welche Prozesse bilden sich räumliche Strukturen in heutigen Agrarlandschaften?

In meiner Disseratation untersuche ich die Veränderung der landschaftlichen Strukturen in drei Fluren mit vorherrschend agrarischer Nutzung und verknüpfe beides mit den jeweiligen Landnutzungspraktiken, -verflechtungen und -lücken. In einem weiteren Schritt befrage ich die Landnutzenden zu den Motiven ihrer Arbeit. Basis meiner Untersuchungsmethode ist das Verhältnis aus Nutzer – Nutzungsweise – Landschaftsgestalt (Motivation/Willen – Handlung – geschaffene Struktur).

Im Ergebnis erwarte ich Antworten für folgende Aspekte:

  • Unter welchen Nutzer- und Nutzungskonstellationen bilden sich wertgebende Raumstrukturen?
  • Welche Triebkräfte und Wirkungsmechanismen stehen hinter einer bestimmten räumlichen Typik?
  • Wie kann Raumplanung auf die Dynamik heutiger räumlicher Veränderungen reagieren bzw. steuernd eingreifen?
  • Kann und darf der Staat lenkend auf (Kultur)landschaftsentwicklung einwirken?
  • Welche Verantwortung haben die LandwirtInnen bezüglich der landschaftsprägenden Prozesse?