Die Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen in Deutschland
Deutschland führte zum April 2012 einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Prüfung der Gleichwertigkeit von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen mit deutschen Abschlüssen ein. Daran anknüpfend wird der Frage nachgegangen, wie das handlungspraktische Wissen entsteht, das dem Bewertungsergebnis – der Ausstellung eines amtlichen Bescheids über den Wert einer im Ausland erworbenen Qualifikation – zugrunde liegt. Die Fragestellung zielt darauf ab, das „atheoretische“ (Karl Mannheim) bzw. „praktische“ Wissen (Pierre Bourdieu) zu erschließen, das den Handlungen selbstverständlich zugrunde liegt. Das Vorhaben ist eingebettet in die Bourdieusche Soziologie sozialer Ungleichheit und symbolischer Klassifikation. Danach ist das Wissen über soziale Unterschiede, wie hier Qualifikationsunterschiede, nicht objektiv gegeben, sondern wird im Rahmen einer Struktur ungleicher Machtbeziehungen in sozialen Kämpfen konstruiert („konstruktivistischer Strukturalismus“). Der Gegenstand wird als ein (Kräfte-)Feld im Bourdieuschen Sinne konzipiert, dessen konstituierende Macht- und Positionskämpfe auf mehreren Ebenen um die Klassifikation von Gleichheit und Ungleichheit von weltweit erworbenen Qualifikationen kreisen. Im Rahmen von vier konsekutiven Arbeitseinheiten werden seine historischen Entstehung (1), die gegenwärtigen sozialen Kämpfe zentraler (kollektiver) Akteure (2) sowie die Handlungspraxis der Bewertenden (3) und der Bewerteten (4) in so genannten Anerkennungsverfahren komparativ analysiert. Methodologisch folgt das Vorhaben einem rekonstruktiven Forschungsansatz, da es die Theoriebildung, nicht die Hypothesenprüfung, zum Ziel hat. Empirisch gründet es mitunter auf der Analyse von Dokumenten, Experteninterviews und Gruppendiskussionen sowie auf den Auswertungstechniken der dokumentarischen Methode (nach Ralf Bohnsack).