Sprache in Politik und Praxis. Die diskursive Konstruktion von Nation in Kenia
Die Dissertation setzt sich mit diskursiven Prozessen der Nationenbildung aus einer praxeologischen Perspektive für den spezifisch polylingualen Kontext Kenias auseinander. Sie stellt die Übertragung des monolingualen Ideals der Nation in Frage und diskutiert dessen kontinuierliche Konstruktion in politischer Praxis. Mit Hilfe kritischer Diskursanalysen werden Wechselbeziehungen von diskursivem Handeln, politischen Verhältnissen und institutionellen Ausprägungen aufgedeckt. Die Forschungsfrage ist an der Schnittstelle zweier Disziplinen, der Sprach- und Politikwissenschaft, anzusiedeln, deren methodische und perspektivische Ansätze in der Betrachtung der kommunikativen Praktiken von Nation zusammenkommen.
In der Analyse werden Sprachgebrauch in Politik und Praxis gegenübergestellt. Während der Staat in seinen Handlungen bemüht ist, die Nation als eine vereinte homogene Gesellschaft zu (re-)konstruieren, um dadurch Handlungsautonomie gegenüber dem Staatsvolk aufrecht zu erhalten, zeigen sich die Diskurse der Bevölkerung in der Bewahrung ihrer Inklusion in das politische System als äußerst vieldeutig und fragmentiert. Anhand kritischer Diskursanalysen wird der angenommene Widerspruch kommunikativer Praktiken für den spezifisch kenianischen Kontext diskutiert. Dabei wird nicht nur der uneingeschränkte Transfer des Konzeptes der Nation in Frage gestellt sowie die Vorstellung der Nation als abgeschlossener homogener Raum kritisch betrachtet sondern gleichzeitig eine stabile Konstitution der Nation mit ihrer fluiden gesellschaftlichen Produktion konfrontiert. Dem westfälischen Modell souveräner Nationalstaaten werden die (Alltags-)Praktiken eines ausgeprägt polylingualen Staates gegenübergestellt. Hier wird Sprache nicht nur zum Gegenstand des Konstruktionsprozesses sondern gleichzeitig zur Bedingung für Machtausübung, verstanden als eine Ressource, die die Handlungsmöglichkeiten der Akteure in ihren sozialen Beziehungen strukturiert und als Mittel von Souveränitätsstrategien zum Einsatz kommt. Zum einen wird untersucht wie Nation (formal-) sprachlich konstruiert wird, zum anderen wird genauer betrachtet wie Sprache selbst zum Gegenstand des Konstruktionsprozesses wird.
Es gilt die vieldeutigen, fragmentierten und teils widersprüchlichen Diskurse von Nation zu beschreiben, darauf aufbauend Handlungsmuster der kommunikativen Gewohnheiten des „doing nation“ aufzudecken um abschließend ihre konstitutive soziale Dimension zu diskutieren. Untersuchungsgegenstand sind neben dem Wahlkampf und den politischen Diskussionen im Vorlauf der allgemeinen Wahlen im März 2013 die Diskurse zum 50-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit Kenias im Dezember 2013.