Birte Jung, Technische Universität Berlin

Eventisierungsdruck – Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte. Entwicklung von Bewertungsverfahren, Adaptierungs- und Planungsvorschlägen

Öffentliche Freiräume, wie Plätze, Straßen oder Grünflächen, werden zunehmend als Veranstaltungsorte genutzt. Insbesondere Großveranstaltungen tragen zum Image einer Stadt bei und wirken als Tourismusmagnet. Die Eventisierung des öffentlichen Raums führt auch zu Kontroversen: Durch die Veranstaltungsdurchführung kommt es zu negativen Auswirkungen und Schäden in den Freiräumen. Der Genehmigungsvorgang wirkt häufig intransparent. Zuständige Verwaltungen sehen sich mit Genehmigungswünschen aus verschiedenen Interessenslagern konfrontiert und haben Bescheide auszustellen. Veranstalter_innen sind auf Genehmigungen angewiesen. Städtische Freiräume werden infolge des Eventisierungsdrucks häufig fehlgenutzt oder übernutzt und in ihrer Qualität beeinträchtigt. Es fehlt am Problembewusstsein, an nachhaltigen Bewertungsinstrumenten und einheitlichen Richtlinien zur Beurteilung der Veranstaltungseignung eines Freiraums hinsichtlich seines gesetzlichen Status, seiner Nutzungsaspekten und vegetativ-baulich-materiellen Elemente.

Hauptziel der Promotionsarbeit ist es, ein auf sachverständigen Erfahrungen basierendes, transparentes Bewertungsverfahren sowie Planungsvorschläge zur Anwendung durch Landschaftsarchitekt_innen, Behörden oder Veranstaltungsorganisator_innen zu entwickeln. Mit Hilfe dessen kann eine nachhaltige Veranstaltungsnutzung öffentlicher Freiräume beurteilt, verbessert und somit negative Veranstaltungsauswirkungen vermieden werden. Der Untersuchungsraum ist Berlin.

Im Fokus steht folgender Fragenkomplex: Worauf basiert die Eignung eines öffentlichen Freiraums – Platz, Straße oder Grünfläche – als Veranstaltungsort? Welche Kriterien sind für verschiedene Akteure und Veranstaltungstypen relevant? Wann ist die Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte nachhaltig – ökologisch, ökonomisch und soziokulturell? Wie ist ein Bewertungsverfahren aufgebaut, damit es breite Anwendung findet? Welche Auflagen und Planungsvorschläge können für eine nachhaltige Veranstaltungsnutzung und systematische Adaptierung der Freiräume bestimmt werden?

Die Arbeit ist thematisch angesiedelt im Schnittfeld von Freiraum- und Veranstaltungsplanung, aktueller Berliner Stadtentwicklungspolitik und Nachhaltigkeitsforschung. Eine empirische Vorgehensweise und Verwendung qualitativer Methoden sowie iterativer Prozesse stehen im Vordergrund.