Sagbo Rogatien Akohu Gbacada, Technische Universität Dortmund

Städtische Ver- und Entsorgungssysteme im globalen Süden: Charakteristika, Probleme und Perspektiven am Beispiel der städtischen Wasserver- und Abwasserentsorgungssysteme Cotonous

Das rasante demographische Stadtwachstum afrikanischer Länder, insbesondere in Sub-Sahara bringt erhebliche Herausforderungen mit sich. Infolge der „Über-Urbanisierung“ („sur-urbanisation“) entstehen Wachstum von Slum-Siedlungen, eine soziale Polarisierung und Fragmentierung durch eine „schlechte Stadt-Governance“. Hiermit gehen u.a. erhebliche Herausforderungen für die ohnehin in den meisten Stadtteilen defizitäre Wasserver- und Abwasserentsorgung dieser Städte einher, welche für die Stadthygiene, die öffentliche Gesundheit und Nahrungsmittelversorgung von zentraler Bedeutung sind.

Das angestrebte Promotionsvorhaben setzt sich mit den städtischen Ver- und Entsorgungssystemen in der Hafenstadt Cotonou (Benin) auseinander. Ziel des Vorhabens ist es, Charateristika, Probleme und Perspektiven einer integrierten Raum- und Infrastrukturplanung am Beispiel der Wasserver- und Abwasserentsorgung Cotonous aufzuzeigen. Hierbei soll in einem konzeptionell-theoretischen Teil sowie im Rahmen einer empirischen Fallstudie der Küstenstadt Cotonou der Frage nachgegangen werden, wie soziotechnische Infrastruktursysteme der Wasserver- und Abwasserentsorgung in Küstenstädten des globalen Südens nachhaltig entwickelt werden können, und auf welche Weise Strategien einer integrierten Siedlungs- und Infrastrukturplanung hierauf Einfluss nehmen können.

Das für einen Zeitraum von drei Jahren geplante Promotionsvorhaben umfasst folgende Arbeitsschritte:
1. Erarbeitung eines konzeptionellen Rahmens für die Untersuchung:
Im Laufe der Zeit haben sich in der Stadt Cotonous spezifische Infrastruktursysteme herausgebildet, die zum einen durch das „moderne Infrastrukturideal“ bei der Stadtentwicklung geprägt werden und zum anderem von dem „modernen Infrastrukturideal“ aufgrund ihrer besonderen städtischen Bedingungen abweichend und ortsspezifisch sind. Die städtische Ver- und Entsorgung Cotonous ist dabei durch „heterogene“ oder „hybride“ Ver- und Entsorgungssysteme geprägt, die sich erheblich von den westlichen Modellen unterscheiden.

2. Analyse der technischen, sozialen und räumlichen Bedingungen der Wasserver- und Abwasserentsorgung und ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung Cotonous
Die Wasserver- und Abwasserentsorgung Cotonous haben bestimmte Charakteristika, die durch Systemkomponenten etwa Technikstrukturen (Netze, zentrale Anlagen, nicht netzgebundende Techniken), Wirtschaftsstrukturen (öffentliche Ver- und Entsorgungsunternehmen, private Dienstleister, Nutzergruppen) etc. erfasst werden können und sich in einzelnen Stadtteilen voneinander unterscheiden. Durch diese raumspezifischen Unterscheidungen zeigt sich ein Nebeneinander verschiedener Ver- und Entsorgungsformen Cotonous auf, das hybride Wasserver- und Abwasserentsorgungen Cotonous charakterisiert.

3. Analyse der Probleme und Innovationspotenziale der Wasserver- und Abwasserentsorgung und der damit verbundenen Raum- und Infrastrukturplanungsaufgaben
Die Wasserver- und Abwasserentsorgung Cotonous weist nicht nur Kernprobleme sondern auch Innovationspotenzial auf, aus welchem sich bestimmte Aufgaben der Raum- und Infrastrukturplanung ergeben.
Aufbauend auf eine Literaturanalyse werden für die empirische Fallstudie zu Cotonou überwiegend qualitative Methoden genutzt. Neben der Auswertung bestehender Dokumente (wissenschaftliche Studien, Berichte, Programme, Tageszeitungen, Internetseiten) werden Leitfadeninterviews mit lokalen Experten aus Politik, Verwaltung, Unternehmen, Forschung und zivilgesellschaftlichen Organisationen durchgeführt. Es werden zwei Forschungsaufenthalte geplant, um die Daten zu erheben und um Kooperationen mit lokalen Partnern zu vertiefen.