Silke Lichtenberg, Universität Passau

Waldschutz versus Musikinstrumentenbau: Nachhaltige Bewirtschaftung tropischer Ökosysteme zum Erhalt von Natur- und Kulturerbe

Seit 2006 gelten bestimmte Berufe des traditionellen Musikinstrumentenbaus und Musiktraditionen laut UNESCO als repräsentatives immaterielles Kulturerbe der Menschheit, beispielsweise seit 2012 die italienische ‚Tradition des Cremoneser Geigenbaus‘. Gleichzeitig gelten zahlreiche Ursprungswälder der Materialien von Musikinstrumenten als UNESCO Weltnaturerbe und/oder Biodiversitäts-Hotspots. Die im Musikinstrumentenbau verwendeten Arten sind durch Biodiversitätsverlust, Waldverlust, Zerstörung ihre Habitate und den Klimawandel bedroht, letztendlich stellt dies auch eine Bedrohung für die verknüpften immateriellen Kulturerbe dar. Viele dieser verwendeten Arten gelten bereits als vom Aussterben bedroht und der weltweite Handel trägt soweit dazu bei, dass bereits viele dieser Arten auf dem internationale Artenschutzabkommen (CITES) gelistet sind und Handelsregulierungen unterliegt. d Durch die Verknüpfung verschiedener weltweiter Datenbanken wird diese Problematik in dieser Studie zunächst anhand eines Orchesters, also am Beispiel westlicher Musikinstrumente, offengelegt und belegt. Für ein ganzheitliches Verständnis werden diese ökologischen und kulturellen Zusammenhänge in den Kontext sozial-ökologischer (kultur-ökologischer) Systeme und zugrunde liegender Werte gestellt. Auf Grundlage dieser holistischen Perspektive werden Lösungspotentiale, Limitierungen und Risiken für die Zukunft des traditionellen Musikinstrumentenbaus – einem ferngekoppelten Netzwerk kultur-ökologischer Systeme - analysiert. Am Beispiel des endemischen Fernambuks der Mata Atlântica und der Herstellung von Streichinstrumentenbögen aus diesem Holz wird ein exemplarisches ferngekoppeltes kultur-ökologisches System herausgegriffen, es werden grundlegende Zusammenhänge und Wechselwirkungen umfassend analysiert. Das ermöglicht ein umfassendes Verständnis der Interaktionen, Interdependenzen und konkurrierenden Ansprüche vom Weltnaturerbe Mata Atlântica und dem immateriellen Kulturerbe des traditionellen Bogenbaus zu erlangen und die aktuelle Situation in den historischen Kontext zu stellen. Für den gleichzeitigen Erhalt von Weltnaturerbe und immateriellem Kulturerbe werden Potenziale für eine nachhaltige Nutzung und die kommerzielle Anpflanzung des Pau-Brasils in der Region der Mata Atlântica abgewogen und mögliche zukünftige Szenarien erstellt.