Annabel Vetterlein, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Psychobiologische Grundlagen interindividueller Differenzen in der Schmerzempfindlichkeit - Psychobiological Predictors of Pain Sensitivity

Mindestens jeder fünfte Mensch weltweit leidet unter chronischen Schmerzen. Da die Prävalenz mit dem Alter zunimmt, ist aufgrund des demographischen Wandels mit einem stetigen Zuwachs Betroffener zu rechnen. Trotz der hohen Prävalenz und den schweren Beeinträchtigungen, die sich aus der Schmerzsymptomatik ergeben, sind die klinischen Möglichkeiten des Schmerzmanagements begrenzt. Bekannt ist, dass eine hohe endogene Schmerzempfindlichkeit die Chronifizierung akuter Schmerzen begünstigt. Die psychobiologischen Faktoren, die interindividuelle Unterschiede in der Schmerzempfindlichkeit bedingen, sind allerdings weitgehend ungeklärt. Das vorliegende Forschungsvorhaben soll hierzu einen Beitrag leisten: Zwei voneinander unabhängige Studien wurden konzipiert, um den Einfluss von Persönlichkeit, Umwelteinflüssen und genetischer Disposition auf die Schmerzempfindlichkeit zu untersuchen sowie um die Frage zu klären, welche neuronalen Korrelate Schmerzempfindlichkeit vorhersagen. Schließlich soll eine dritte Studie die Effektivität von Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training hinsichtlich der Schmerzbewältigung sowie hinsichtlich epigenetischer Veränderungen in schmerzrelevanten Genorten in einer Patientenstichprobe evaluieren. Übergeordnetes Ziel des Forschungsprojektes ist es, aus den gewonnenen Studienergebnissen ein umfassendes psychobiologisches Modell individueller Schmerzempfindlichkeit zu entwickeln sowie Handlungsempfehlungen für ein individualisiertes klinisches Schmerzmanagement abzuleiten. Das vorliegende Forschungsvorhaben ist somit von besonderer wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz, da es Lücken in der aktuellen Forschungslage schließt und einen notwendigen Beitrag zur Verbesserung der Behandlung von Schmerzpatienten leistet.