Juljan Krause, University of Southampton, UK

Meine Promotion untersucht die internationalen sicherheitspolitischen Herausforderungen von Quantentechnologien, insb. von Quantenkommunikationsnetzwerken. Diese nutzen Quantenphänomene wie Verschränkung und Teleportation zur abhörsicheren Übertragung von Information. Da Quantencomputer gegenwärtige Kryptographie-Systeme wie RSA, welche heutzutage zur Verschlüsslung eines Großteiles von Daten über das Internet verwendet werden, ohne Schwierigkeiten werden brechen können, bieten Quantenkommunikationssysteme Aussicht auf absolute Abhörsicherheit. China hat mit dem Start des Satelliten Micius im Jahr 2016 bereits erste große Erfolge in der Entwicklung dieser Technologie vermelden Können. Die USA reagieren besorgt; die Europäische Union fördert mit einer im Juli 2019 verabschiedeten Resolution den Bau eines Schutzschirms: ein Quanteninternet soll die Union vor zukünftigen Cyberangriffen sichern.

Meine interdisziplinäre Arbeit in den Feldern Informatik und Internationale Beziehungen beleuchtet den sich entwickelnden Quantenrüstungswettlauf hinsichtlich der Frage, welche sicherheitspolitischen Herausforderungen und Verschiebungen auf internationaler Ebene zu erwarten sind. Welche Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten bieten Quantenkommunikationsnetzwerke? Zu welchem Grad wird Quantenkommunikation das Machtgefüge zwischen den USA und China verändern? Welche (geo)politischen Auswirkungen zeichnen sich durch Chinas Technologieführerschaft sowohl regional als auch international bereits ab? Welche Rolle spielt Europa? Methodologisch führt die Arbeit Ergebnisse von Beobachtungen und Experteninterviews in China, Singapur, den USA und Europa zu einer umfassenden Abbildung der politischen Auswirkungen dieser faszinierenden neuartigen Technologie zusammen.