Lydia Riedl, Philipps-Universität - Marburg

Die Evaluation einer Sprach-Gestik-Intervention für Klient*innen mit Schizophrenie: Nachweis neuraler und behavioraler Generalisierungseffekte

Vor dem Hintergrund der ausgeprägten sozial-kommunikativen Beeinträchtigungen bei Schizophrenie möchte ich in meinem Promotionsprojekt untersuchen, welchen Einfluss eine intensive Kommunikationstherapie auf das Kommunikationsverhalten und damit auf die soziale Teilhabe von Menschen mit Schizophrenie hat.

Die Schizophrenie zählt zu den schwerwiegendsten psychiatrischen Erkrankungen, die mit reduzierten sozial-kommunikativen Dysfunktionen einhergeht. In der Folge führt dieser Umstand häufig zu sozialer Isolation, zu Nachteilen in der Schul- und Ausbildung bzw. dem Verlust des Arbeitsplatzes (Dickinson, Bellack & Gold 2007). Besonders aus den Defiziten auf verbaler und nonverbaler Ebene resultieren häufig zwischenmenschliche Probleme, die sowohl das Alltagsleben der Klient*innen massiv beeinträchtigen sowie im Rahmen der therapeutischen Intervention auch zu Kommunikationsstörungen zwischen Klient*in und Therapeut*in führen (Backasch et al. 2013; Leube et al. 2012). Gestik spielt dabei eine besondere Rolle, denn sie ist ein wesentlicher Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation, bei dem elementare kognitive Prozesse miteinander interagieren (z. B. Motorik, Sprache, sensorische Integration) (Walther et al. 2015). Bei Schizophrenie schlägt diese Interaktion fehl, sodass sowohl die perzeptive als auch die produktive Gestikverarbeitung gestört sind und dies zu Missverständnissen mit der/dem Kommunikationspartner*in führt.

Zielsetzung des Promotionsvorhabens ist daher die Entwicklung und Evaluation einer gezielten Kommunikationstherapie über eine intensive Sprach-Gestik-Intervention für Menschen mit Schizophrenie.

Über die Entwicklung einer spezifischen Sprach-Gestik-Intervention hinaus sollen die Veränderungen entsprechend assoziierter hirnfunktioneller Korrelate per funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT) dargestellt werden, um so ein tieferes Verständnis für mögliche kognitive Mechanismen und deren therapeutische Beeinflussbarkeit zu erlangen.

Sollte es gelingen, Leistungsverbesserungen durch eine Gestik-Intervention zu erzielen, würde dies einen ganz neuen und innovativen Forschungs- und möglicherweise Behandlungsansatz bieten, um dysfunktionelle Sprachverarbeitungsprozesse bei Klient*innen mit Schizophrenie zu therapieren.