Der Konflikt im Donbass befindet sich bereits im vierten Jahr, insgesamt wurden ca. 10.000 Menschen getötet, ca. 2,5 Millionen Menschen haben ihre Heimat in den besetzten Gebieten des Donbass verlassen. Insbesondere entlang der so genannten Kontaktlinie zwischen den ukrainisch kontrollierten Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk sowie den mit massiver militärischer und finanzieller Hilfe Russlands selbst ernannten „Volksrepubliken“ von Donezk und Luhansk bleibt die Sicherheits- und die humanitäre Lage für die Bevölkerung prekär. Dabei ist die Linie trotz Handelsblockade durchlässig – täglich bewegen sich bis zu 40.000 Zivilisten zwischen den Seiten.
Die „Minsker Vereinbarungen“ von 2014 bzw. 2015 haben einerseits den offenen Krieg beendet, andererseits aber nicht zu einer dauerhaften Entspannung der Lage beigetragen. Keiner der 13 Punkte der Vereinbarungen konnte bisher umgesetzt werden. Eine Sondermission der OSZE beobachtet die Lage in der Region.
Mit dem russischen Vorschlag einer UN-Mission für den Donbass schien im September Bewegung in die diplomatischen Bemühungen zu gelangen, denn die ukrainische Seite hatte zuvor ebenso internationale Truppen gefordert. Die Vorstellungen eines genauen Mandates gehen jedoch weit auseinander. Die Kosten und die Anzahl der benötigten Soldaten für die Kontrolle über ein Gebiet von der Fläche Thüringens mit ca. 500 km Kontaktlinie sowie ca. 400 km russisch-ukrainische Staatsgrenze wären erheblich. Eine Realisierung ist fraglich. Dennoch hat der Vorstoß eine neue Dynamik in den diplomatischen Gesprächen erreicht.