Landschaftsdegradation und Potentiale zur Revitalisierung im Hinterland von Rio de Janeiro, Brasilien
Der Brasilianische Küstenregenwald zählt zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt. Die Kolonisation der ländlichen Gebiete in Brasilien und der steigende Flächenbedarf, trugen dazu bei, dass sich der Brasilianische Küstenregenwald heute auf nur ein Gebiet von ca. 11-16% seiner ursprünglichen Ausdehnung erstreckt. Aus diesem Grund ist es von besonderer Notwendigkeit die noch vorhandenen Waldgebiete zu schützen. Im Hinterland von Rio de Janeiro, in welchem viele Forschungsaktivitäten der AG Physische Geographie und umweltbezogene Landschaftsforschung der Universität Leipzig stattfinden, liegt eines der größten noch zusammenhängenden Waldgebiete eingebettet in einem Mosaik aus Waldfragmenten und verschiedenen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Durch langjährige Feldstudien konnte gezeigt werden, dass große Teile des Guapi-Macacu Wassereinzugsgebietes im Hinterland von Rio de Janeiro durch verschiedene Nutzungseinflüsse degradiert sind. Große Bereiche des Tieflandwaldes wurden über die letzten Jahrhunderte abgeholzt, so dass heute in der Ebene nur noch vereinzelte kleine Waldfragmente zu finden sind. Des Weiteren findet sich als Hauptlandnutzungstyp eine extensive Weidewirtschaft, die vor allem an Hängen zu mittel bis stark ausgeprägten Erosionsformen geführt hat. Diese Landschaftsdegradation führt zur Instabilisierung der Ökosysteme und zum Verlust der Produktivität.
Auf Landschaftsebene sollen die verschiedenen Ökosystemkomponenten integriert werden, um ein Bewertungssystem für die Degradation von Landschaften zu entwickeln. Die Integration verschiedener Landschaftskomponenten ermöglicht es in der Landschaftsplanung sowohl Aspekte der Regionalentwicklung, als auch des Naturschutzes und alternativer Landnutzungskonzepte zu berücksichtigen, um eine nachhaltige Entwicklung zu erzielen. Hierzu, sollen unter Verwendung geeigne-ter Software für die Geoinformationsverarbeitung (ArcGIS) die erhobenen Daten der einzelnen Systemkomponenten analysiert und in einem multikriteriellen Landschaftsbewertungssystem zusammengeführt werden. Für die Datenerhebung werden neben Feldstudien auch Methoden der Fernerkundung eingesetzt, die es ermöglichen Daten für große Gebiete zu erheben. Des Weiteren sollen die Ergebnisse in Bezug zu alternativen Landnutzungskonzepten internationaler Klima-schutzstrategien (REDD+, PES) gesetzt werden, um Potentiale der nachhaltigen Landschafts- und Regionalentwicklung im Kontext der Initiativen für die Generierung von alternativen Einkommensquellen für Kleinbauern abzuschätzen.